Geboren wurde Kerzel am 10. Dezember 1941 in Hindenburg in Oberschlesien, aufgewachsen ist er nach der Flucht in Augsburg. Der Weg zur Schauspielerei war kein direkter: Erst absolvierte er eine Ausbildung zum Schlosser und Ölheizungsmonteur, leistete seinen Wehrdienst als Funker bei der Bundesmarine – und ging dann von 1963 bis 1966 an die Staatlichen Hochschulen für Musik und Theater in Hannover, um sich zum Schauspieler ausbilden zu lassen.
Was folgte, waren Theaterengagements, Film- und Fernsehrollen – und vor allem eine Synchronkarriere, die ihresgleichen sucht. Über 1.400 Rollen umfasst seine Filmografie. Er war die deutsche Stimme von Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Anthony Hopkins, Dennis Hopper, Harvey Keitel, Jean Reno und Robert Wagner. Für seine Synchronisation von Jack Nicholson in „About Schmidt" erhielt er 2003 den Deutschen Preis für Synchron.
Daneben stand er für Hörspiele und Hörbücher im Studio – als Erzähler der „John Sinclair"-Reihe wurde er einer ganzen Generation zum Begleiter, ebenso durch seine Mitwirkung an den „Star Wars"-Hörspielen. Mitte der Achtzigerjahre gründete er gemeinsam mit seiner Frau Maria Körber eine Schauspielschule und gab weiter, was er konnte. Zu vielen seiner ehemaligen Schülerinnen und Schüler hielt er bis zuletzt Kontakt.
Für uns bei speaker-search war Joachim Kerzel über viele Jahre ein vertrauter Gast im Studio. Werbespots, Imagefilme, Trailer, Off-Texte – wir haben viel mit ihm produziert, und jede dieser Aufnahmen hatte etwas gemeinsam: Es ging schnell. Kerzel kam vorbereitet, hörte einmal zu, was der Regieauftrag war, und lieferte. Nicht mit Effekt, sondern mit Haltung. Er wusste genau, wie viel er weglassen konnte, damit ein Satz trägt.
Ein besonderes Highlight bleibt eine Aufnahme, die aus dem üblichen Rahmen fiel: die Session für Sidos Album „Ich und meine Maske" (2008) – für den Titelsong. Sido war dafür selbst bei uns im Studio. Ein Rapper aus dem Märkischen Viertel und die deutsche Stimme von Jack Nicholson, gemeinsam an einem Mikrofon: Es war einer dieser Tage, an denen im Regieraum alle merken, dass gerade etwas entsteht, das so nicht noch einmal passiert. Kerzel nahm die Sache ernst, wie er alles ernst nahm – und hatte sichtlich Spaß daran.
Sprecherinnen und Sprecher wie Joachim Kerzel sind selten geworden. Nicht wegen des Klangs allein, sondern wegen der Erfahrung, die dahintersteht: jahrzehntelanges Theater, tausende Rollen, ein Gespür für Text, das man nicht simulieren kann. Er war ein Handwerker im besten Sinne und ein Kollege, mit dem die Arbeit einfach Freude gemacht hat.
Seine Stimme ist in unzähligen Filmen, Hörspielen und Spots konserviert. Sie wird weiter zu hören sein, in Wohnzimmern, Kinosälen und Kopfhörern, lange über diesen Sommer hinaus.
Wir verneigen uns. Danke, Joachim.
Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, seinen Freunden und allen Kolleginnen und Kollegen.
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